Es gab eine Zeit, da lebten die Menschen in Wäldern. Unter dem Dach der Bäume war es dunkel, die Strahlen der Sonne erreichten den Boden fast nie, und auch das Licht des Mondes lag nur auf den obersten Blättern. Die Augen der Menschen waren an das Halbdunkel gewöhnt, und was sie nicht sahen, verrieten ihnen die Ohren. Die Nacht war erfüllt von den Stimmen der Tiere – bekannten und unbekannten – und von den Geistern. Zu ihnen beteten die Menschen, baten um Hilfe und brachten Opfer, um sie günstig zu stimmen. Die Geister hatten viel Raum in den Wäldern. Und in den Seelen der Menschen. So blieb es für lange Zeit.
Doch dann begann die Veränderung. Die ersten Bäume fielen und schufen Orte, an denen die Sonne den Boden berührte. Verbrannte. Die Menschen bewegten sich nicht mehr mit Vorsicht und langsam zwischen den Schatten, sondern schnell und mit der Selbstgewissheit von neuen Herren. Wie früher die Bäume, so wuchsen jetzt ihre Häuser zum Himmel. Und wo sie sich einmal den Raum mit den Tieren geteilt hatten, zogen sich diese immer weiter zurück in die Wälder. Wohin der Anspruch der Menschen nicht reichte.
Und auch für die Geister war kein Platz in den Städten. Die Schatten der Häuser waren zu hart, zu gerade, um in ihnen zu wohnen, die Nächte zu hell und die Stimmen der Städte zu laut. So verließen die Geister die Häuser der Menschen. In ihren Seelen aber blieben sie wohnen.
Von dort aus kann man sie heute noch sehen. Es braucht nicht viel: Ein leerer Raum – vielleicht ein Theater – und die Bereitschaft zu hören, zu sehen. Zu warten.
São Paulo, September 2010
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